Psychomotorische Entwicklungsförderung

Die psychomotorische Entwicklungsförderung ist ein pädagogisch-therapeutisches Konzept, welches die Wechselwirkungen psychischer (geistig-seelischer) und motorischer (körperlicher) Prozesse nutzt, um die Gesamt- und Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen positiv zu beeinflussen. Die Ursprünge der Psychomotorik in Deutschland gehen in die 60er Jahre auf den Gründungsvater E.J. Kiphard zurück. Über Bewegungserlebnisse wird eine Beziehung zum Kind/ Erwachsenen aufgebaut mit dem Ziel die Eigeninitiative zu fördern, zum selbständigen Handeln anzuregen und durch Gruppenerfahrungen zu einer Erweiterung der Handlungskompetenz und Kommunikationsfähigkeit beizutragen. Durch erlebnisreiche Bewegungsangebote werden motorische Schwächen und Probleme des Kindes/ Erwachsenen in der Auseinandersetzhung mit sich selbst und seiner Umwelt bearbeitet, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und eine Stabilisierung der Persönlichkeit erreicht.

Zu den Inhalten der Psychomotorik zählen Körper-Erfahrungen, wie z.B. Wahrnehmungen und Ausdrucksmöglichkeiten des eigenen Körpers und Sinneserfahrungen, Material-Erfahrungen, wie z.B. eine erkundende und experimentelle Auseinandersetzung mit der Umwelt, ein Lernen durch Bewegung und Sozial-Erfahrungen, also die Kommunikation mit anderen über Bewegung, wie z.B. durch Regel- oder Rollenspiele.

Durch das Zusammenwirken von Bewegung, Wahrnehmung, Denken, Erleben, Fühlen und Gestalten in der Interaktion mit der Pädagogin/ Therapeutin und anderen Kindern, „setzen wir statt einer Leistungs- und Produktorientiertheit, die häufig an den Bedürfnissen der Kinder vorbeigeht, statt einer Defektorientiertheit, die nur Makel, Störungen und Defizite sieht, eine Erlebnis- und Persönlichkeitsorientiertheit, bei denen sich die Kinder spielerisch, frei und ungezwungen handelnd äußern und entwickeln können.“ (Kiphard 1989,12)

Deswegen wundern Sie sich nicht, wenn Sie auf die Frage: „Was habt ihr denn heute gemacht?“, die Antwort: „Nichts, wir haben nur gespielt“ erhalten.

Quelle: Renate Zimmer, Handbuch der Psychomotorik